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Ein Musikant

O Jott! Mir armen Musikant
Wird bei so'n Spektakel janz blümerant;
En Musikus wird doch mit fein're Ohren
Wie and re Menschenkinder jeboren,
Un hat doch so'n trauriget Loos.
Bedenken Se man, ik bin en Virtuos,
Möser is jegen mir man en dummer Junge;
Rohde hat det meiste mit de Zunge;
Viotti is man bloß nur en Stümper;
Paganini? - Herr Je! mit den sein Jeklimper!
Wat kann er denn? Uf ene Saite jnielen?
Det is nischt wie blauer Dunst;
Ne, ik versteh' de wahre Kunst:
Uf jar kene Saite zu spielen.
Mir is jedes Instrument janz eenjahl!
Se jloben wohl, det ik man prahl?
Ja, Kuchen! Ne, det kann ik durch Reisen
Un durch ville Papiere beweisen.
Ik spiele Klarinett un Flöte,
Ik blase Violine un Trompete,
Pauke un Maultrommel och dabei,
Fajott un Hautboe is mir janz enerlei;
Ja, ik habe mal in Aschersleben
Uf de Trompete en Flötenkonzert jegeben. -
Aberscht mein Hauptinstrument sind die Becken.
Ne! wat kann ik Ihnen da vor Töne wecken!
Da lassen Se mir en Adagio druf rausjribuliren,
Det muss Ihnen so det Herze rühren,
Det Se vor Angst un Jammer weenen,
Se müßten uf den Fleck dodt sich weenen.
Meine Sache is nich det ville Loben;
Aber det können Se uf Fiddelparole jloben,
Det ik von Petersburg bis nach Wien
Un von Lissabon bis nach Berlin
Jemacht ene ochsige Sensation
Durch meine Kunst un meine Perschon.
Ik lobe mir nich; o, bewahre! - Aberscht aus janz Europia
Kamen Briefe an von fern un nah,
Se wollten, um mir man eenmal zu hören,
Mir jern Dausende jewähren.
Wie ik nu mal in Straßburg war.
Da jung't mir in't Konzert recht sonderbar.
Ik schick de Jitarre nach Konzertsaal hin
Un schlend're nach mit recht verjnügten Sinn.
Nu jeht et los - ik mach' mein Kompliment -
Jreif nach de Jitarre; - Potz Dausendsapperment! -
Da lag se vor mir in dausend Stücken -
Ik denk' och jleich, et soll mir den Kopp verrücken.
Ener aus det Orchester, aus Neid un Chikan
Hadde mir den Possen anjedahn.
Aberscht en Musikus is stets jewandt; -
Ik reiße Eneu den jroßen Baß aus de Hand,
Lege'n über'n Arm un ohne Zieren
Fang' ik nu an zu phantasieren.
Un spiele äußerscht fidel un munter
So det janze Jitarrenkonzert runter.
Aberscht der Applaus!!! Gner würd' tot rausjetragen.
Weil er sich de Hand kurz un kleen jeschlagen. -
Ik möchte Ihnen jerne noch mehr mitteilen,
Aberscht meine Zeit is kurz; ik muss eilen.

(Zum Brautpaar.)

Seh'n Se disse Fiddel an; achten Se det Ding
Um Jottes willen nich jar zu jering;
Wat haben denn alle die vier Saiten,
Die Se da druf sehn, wol zu bedeuten?
Det G, der Jrundton, bedeutet die Liebe;
Ja, wenn die aus de Ehe janz wegbliebe,
So wär' se so langweilig un so dumm,
Wie'n Bogen ohne Kolophonium.
Nu kommt det D; det is det Jlück.
Jott behüt' Euch ewig vor Mißgeschick,
Denn det is, so hab' ik oft jelesen -
Manchmal Ursach' zum Verdruß jewesen.
Die dritte, det A, det is der Fleiß;
Jeder muss üben un dreiben, wat er weiß;
Jebrat'ne Dauben stiegen kenen in't Maul,
Un is er och noch so reich und noch so faul.
Die vierte, det E, is de Zufriedenheit;
Die macht, det jlobt mir, weit un breit
Den ärmsten Mann wie'n König so reich.
Sie macht die Menschen den Engeln gleich.
Ja, Liebe, Jlück, Fleiß un Zufriedenheit
Jeden euch de wahre Himmelsseligkeit.
Von disse vier Saiten lasst kene reißen.
So kann ik Euch en Jötterleben verheißen.
Aberscht ens bitt' ik mir hier noch aus dabei:
Bei't Kinddofen zehn Se mir nich vorbei.

Universal-Gratulant, 1845












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