Hochzeit-Silberhochzeit.de - Die Braut an den Bräutigam
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Hochzeitsrede in Versen





Die Braut an den Bräutigam
Vor der Hochzeit.

Du, den mein Herz sich ausersehen,
Der, da mich sein Verdienst gerührt,
Um jedem Irrtum zu entgehen,
Mich treu auf seine Fehler führt;
Du fürchtest, Freund! dass sie uns trennen?
Wie, glaubst Du dies mit kalter Brust?
O! lerne Deine Laura kennen,
Und dann entscheide, was Du tust.

Freund! kein verschwenderisches Küssen
Nahm meine Seele für Dich ein!
Ich ward nicht blindlings hingerissen;
Durch Gründe lernt' ich zärtlich sein.
Gerührt ward ich von Deinem Blicke,
Wenn er Dein edles Herz entwarf.
Sprich! was ich nun zu meinem Glücke
Von diesem Herzen hoffen darf?

Bekümmert würd' ich mich beschauen,
Sobald Du meinen Reiz erhübst,
Ich Deinem Wort nicht dürfte trauen,
Dass mehr Du meine Seele liebst!
O lass, wenn alle Schimmer schwinden,
Freund! lass Dich dann für Laura’s Herz
Noch immer, immer zärtlich finden;
Sonst wird mein Blick ein früher Schmerz.

Nicht nur aus Pflicht wirst Du mich lieben,
Wirst hochentzückt der meine sein,
Doch schläf’re nur bei unsern Trieben
Die kältere Vernunft nicht ein.
Sie soll bei jedem Anlass fragen:
Warum hat Laura das getan?
Und sorgsam jeden Fehler sagen,
Den sie durch Fleiß verbessern kann.

Empfindsam wird dein Kuss mich rühren,
Wenn ihn Dein Beifall ihn erwirbt,
Und ewig mög’ ich ihn verlieren,
Wenn Laura jemals modisch stirbt!
Freund! ohne Nachsicht sollst Du schelten.
Wenn diese Narrheit mich betört,
Und nie soll Laura etwas gelten,
Wenn Laura die Vernunft nicht hört.

So wird, wird nach meiner Gunst zu streben,
Auch noch des Gatten Sprache sein.
Bleibt es Dein Ernst, für mich zu leben,
So ist mein Herz auf ewig Dein.
Doch, Laura sollte Dich erst kennen,
Dies wollte Deine Zärtlichkeit;
Auch sie will ihre Fehler nennen,
Sieh nun, ob Dich die Wahl gereut.

Der Putz? - ich lieb’ ihn, ist er sittlich,
Und fast, fast - bis zur Eitelkeit.
O Bester! sei nicht unerbittlich
Um diesen kleinen Raum der Zeit.
Doch reizt mich an der Toilette
Ein andrer Wunsch, als nur Dein Blick,
So sei Dein bitterstes Gespötte
Mein wohlverdientes Missgeschick.

Mir meine Seele zu verfeinern,
Wird Deines Umgangs Folge sein,
Mich gegen Stutzer zu versteinern,
Gab ich mein Herz nur Dir allein;
Dies Herz liebt Frömmigkeit und Sitten,
Ein unterrichtend Buch und Dich,
Und wird ein Freund von Dir gelitten,
So sei er auch ein Freund für mich.

Mein Witz ist munter, seine Freuden
Versichern Dir ein sanftes Herz,
Gelehrt willst Du mich doch nicht leiden;
Gut, so erheit're Dich mein Scherz,
Du fürchtest die Orakelsprüche,
Flieh'st Plato's weise Schülerin,
So lächle, wenn ich bei der Küche
Für Gellerts Werke fühlend bin.

Besorgst Du noch mein Widersprechen?
Die Weiber haben gerne Recht.
Wir werden zanken, doch nicht brechen,
So, dass der Zank die Eintracht schwächt.
Dir fehlt die Kunst, leicht nachzugeben,
Mein sei sie ganz aus Lieb' und Pflicht;
Wirkt sie das Glück von Deinem Leben,
Dann fühl' ich ihre Strenge nicht.

So lass uns in die Zukunft schauen,
Sie sichert unser Wohlergehn,
Ich werde Deiner Klugheit trauen,
Du wirst mein gutes Herz verstehn,
Sei gütig, warnend, wenn ich fehle,
Sei gegen fremde Reize kalt.
Dann gönn' ich Dir von Grund der Seele
Die obrigkeitliche Gewalt.

Glaub's, Dir den Szepter zu entführen,
Bedürft' es keiner starken Hand;
Wer sich durch Liebe lässt regieren,
Der herrscht nicht lange durch Verstand.
Doch, fern vom Missbrauch Deiner Güte,
Sei eine sanfte Harmonie
Mein Stolz, der Sieg, den mein Gemüte
Aus Deinen Zärtlichkeiten zieh'!

Nun, Deine Frage ist entschieden,
Du siehst, mich schreckt kein Eigensinn!
Allein, wie Du mit mir zufrieden?
Ob ich nach Deinem Wunsche bin?
Das muss Dich die Gestalt belehren,
Zn der mein Herz sich hier enthüllt.
Sprich! soll Dir Laura zugehören?
Du hast ihr Herz, - hier ist sein Bild.

Universal-Gratulant, 1845












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